Ich, Thomas Cavendish, Kommandant der Desire, hatte das Glück, in der letzten Etappe unserer Seefahrt um die Welt auf das spanische Schiff Santa Anna zu stossen. Aus ihm beschlagnahmen wir einen enormen Schatz, und dann - bevor wir es in Flammen setzten - luden wir alle Männer und Frauen am Ufer aus mit Ausnahme des Lotsen, den ich in weiser Voraussicht mit uns nahm. Dies ermöglichte uns, den Weg zur kleinen, abgelegenen Insel St. Helena zu finden, und in der Folge allen das zu enthüllen, was als streng gehütetes Geheimnis der Portugiesen galt.
Wir weilten zwölf Tage auf der Insel und fanden da viele feine Gebäude, von welchen eins eine Kirche war, die aussen mit Ziegeln gedeckt und geweisst und innen mit vielen Gemälden und Darstellungen versehen war. Auf jeder Seite der Kirche befanden sich Häuser mit Flachdächern, auf denen Rebstöcke wuchsen. Und durch die beiden Häuser fliesst ein Bach süssen, frischen Wassers. Ein ordentlicher, mit Steinen zurechtgemachter Weg erstreckte sich auf ein Tal, die grösste und feinste tief gelegene Parzelle der ganzen Insel, auf der viele Kürbisse und Melonen wuchsen und sich überall bewundernswerte Süssfruchtbäume und Kräuter befanden. Hier waren Feigenbäume mit einer sagenhaften Fülle von Frucht, denn sie tragen stets Früchte, wobei es auf jedem Baum gleichzeitig Blüten, grüne Feigen und reife Feigen gab, und zwar deshalb, weil die Insel so nahe der Sonne ist. Wir sahen auch viele Zitronen- und Orangenbäume sowie andersartige Bäume, welche wie die Feigenbäume fruchteten, und zwischen denen es sehr angenehm schattige Gänge gab. Und der Bach frischen Wassers fliesst durch das ganze Tal.
Die Berge und Täler sind wegen deren Höhe und Steilheit mühevoll begehbar und gefährlich. Und es waren viele Rebhühner, die zahm waren und es nicht wirklich eilig hatten, davonzufliegen, sondern nur in die Klippen liefen. Sie unterschieden sich viel von unseren Rebhühnern in England, und zwar durch die Grösse und die Farbe, denn sie waren eschefarben, so gross wie Haushühner und lebten in Familien von zwölf oder mehr. Es gab ebenfalls Fasane, welche in der Grösse und Dicke diejenigen in unserem Lande übertrafen. Im Übrigen fanden wir Guineageflügel, das wir Truthühner nannten, schwarzer und weisser Farbe mit roten Köpfen und etwa so gross wie die unseren.
Auch auf der Insel war eine Vielzahl von Ziegen, welche die Spanier cabritos nennen, sehr wild und in Gruppen von ein- oder zweihundert zusammen zu sehen waren, gross wie Esel, mit Mähnen wie Pferdemähnen und zum Boden hängenden Bärten. Manchmal sah man sie in fast eine Meile langen Herden die steilen Klippen klettern, was einem als etwas Unmögliches für jedes Lebewesen vorkäme. Da waren auch viele dicke Wildschweine einer bewundernswerten Grösse, die sich gruppenweise auf den Bergen aufhielten und keinen erduldeten, auf sich zuzugehen, ausser zufällig, als sie schliefen oder im Schlamm lagen, nach der Sitte ihrer Art. Und das Wasser ist gut, fliesst von den Bergen in grossem Überfluss in kleine Kanäle ins Meer. Und im Meer wimmelte es von Fischen allerlei Arten, die nach Fangen mit einem krummen Nagel, Aufhängen und Trocknen so gut schmeckten und mundeten als jeder Fisch, den ich je kostete.
Wir lernten von einem javanerischen Sklaven, dass die aus fünf Schiffen bestehende ostindische Flotte, welche mit Gewürzen und Calicot-Tuch sowie Vorräten von Schätzen wertvoller Steine und Perlen geladen war, vor einigen Tagen die Insel verlassen hatte. Dort fanden sie alles im Überfluss zu ihrem Bedürfnis. Wir aber fanden auf der Insel keine Portugiesen ausser einigen sehr kranken Personen ihrer Gesellschaft, welche nach ihrer Vermutung nicht überleben würden, um nach Hause zu gelangen, und welche sie verlassen hatten, damit sie sich bis zum nächsten Jahr erholt hätten, falls sie noch so lange lebten.
Nachdem wir Holz und Wasser sowie diejenigen guten Sachen, die wir gefunden hatten, an Bord geholt hatten, räumten wir unser Schiff auf und stachen in See Richtung England.